Entzündungen der Gaumenmandel

Akute Tonsillitis („Angina")

Die im Volksmund bekannte „Angina" ist eine bakterielle oder virale Entzündung der Gaumenmandeln. Gaumenmandeln sind paarig in der Mundhöhle angelegt.
Im Rahmen einer Entzündung kommt es zum Anschwellen des Gewebes mit Einengung des Rachenraums.
Daher der lateinische Name Angina, Enge.

Als bakterielle Erreger kommen meist Streptokokken, Pneumokokken oder Haemophilus influenza vor. Eine Tonsillitis kann mehrmals pro Jahr auftreten.

Die Patienten leiden meistens an Schluckbeschwerden, Fieber und Abgeschlagenheit.

Therapeutisch wird neben Bettruhe, körperlicher Schonung und Schmerzmitteln im Falle einer bakteriellen Ursache ein Antibiotikum eingesetzt.

Blick auf zwei massiv eitrig entzündete Gaumenmandeln. Man beachte auch den vermehrten Speichelfluss.

Kommt es zu einer Entzündung der Seitenstänge spricht man auch von einer Seitenstrangangina. Die Seitenstränge sind lymphatisches Gewebe hinter den Gaumenmandeln an der seitlichen Rachenwand.

Ansicht auf beide Seitenstränge ( → ), die sich entzündet darstellen.

Ansicht eines Normalbefunds



Mandeloperation


Liegt eine entsprechende Indikation vor, so werden die Gaumenmandeln in einer Vollnarkose entfernt.
Indikationen sind z. B. chronische Tonsillitis, gehäufte akute Anginen, Peritonsillarabszeß, bösartige Mandeltumore.
Dieser Eingriff ist mit einem stationären Krankenhausaufenthalt von ca. 1 Woche verbunden, da es postoperativ zu Nachblutungen kommen kann.

Blick in die Mundhöhle und auf leere Tonsillenlogen bds. bei Zustand nach Mandeloperation.


Peritonsillarabszeß

Ein Peritonsillarabszeß kann sich nach wenigen Tagen als Komplikation einer akuten Gaumenmandelentzündung (Tonsillitis) entwickeln. Meist kommt es zu einer eitrigen Ausbreitung der Entzündung im angrenzenden Gaumenmandelgewebe. Die Patienten beklagen häufig einseitige Schluckbeschwerden, Ohrenschmerzen, eine kloßige Sprache sowie eine behinderte Mundöffnung (Kieferklemme).



Peritonsillarabszeß * rechts. Die Entzündung wölbt die Gaumenmandel nach vorne -Asymmetrie der Gaumenbögen. Das Gaumenzäpfchen ist geschwollen. Eingeschränkte Mundöffnung. Ausgeprägte Schluckbeschwerden.

Die Eiteransammlung muß rechtzeitig operativ (z. B. durch eine Mandeloperation) entlastet werden, bevor lebensgefährliche Komplikationen (Mittelfellentzündung, Kehlkopfödems mit Atemnot) entstehen. Zusätzlich Antibiotikum-Gabe erforderlich.

Endoskopische Ansicht des Rachens und Kehlkopfs KK. Die Mandelentzündung hat sich in die tieferen Halsabschnitte ausgebreitet. Eitrige Vorwölbung * der seitlichen Wand mit Eiteraustritt (gelber Punkt) auf Höhe des Kehlkopfs.

Kehlkopfendoskopie mit Darstellung eines Kehlkopfödems * infolge eines ausgedehnten Peritonsillarabszesses A.


Pfeiffer-Drüsenfieber (infektiöse Mononukleose)

Die Mononukleose ist eine Viruserkrankung des lymphatischen Gewebes. Auslöser ist das Epstein-Barr-Virus, das durch Speichel übertragen wird.
Daher auch der Name „Studentenkrankheit" oder „Kußkrankheit".

Vor allem bei Kindern verläuft die Erkrankung ohne Symptome. Bei Erwachsenen treten grippeähnliche Krankheitsanzeichen, wie Fieber, Muskelschmerzen, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, auf. Gehäuft bei Jugendlichen können zusätzlich Lymphknoten anschwellen und eine Mandelentzündung entstehen. Weiterhin können auch eine Milzvergrößerung (Gefahr der Ruptur bei Anstrengung!) oder Bauchschmerzen, Übelkeit sowie Husten auftreten.

Die Behandlung erfolgt primär konservativ durch Bettruhe, Flüssigkeitszuführ, Mundhygiene und Schmerzmitteln. In besonderen Fällen ist auch die Antibiotikum-Gabe indiziert. Ampicillin-haltige Antibiotika sollten wegen der Gefahr eines Exanthems (Hautausschlag) vermieden werden. Die Untersuchung der Milz erfolgt durch eine Ultraschalluntersuchung der Oberbauchorgane.


Patientin mit typischem Hautausschlag nach Ampicillin-Gabe bei Tonsillitis im Rahmen einer Mononukleose

Bei massiver Gaumenmandelvergrößerung mit Atemnot und Schluckbeschwerden sowie bei protrahiertem schweren Verlauf ist eine Tonsillektomie (Gaumenmandelentfernung) in Narkose erforderlich.

Blick in die Mundhöhle einer Patientin mit Mononukleose. Auf den Gaumenmandeln sind deutlich graue schmierige Beläge * zu erkennen.

Funktionelle Stimmstörungen (Dysphonien)
Besonders bei Patienten mit teilweise auch beruflicher Stimmbelastung (Pfarrer, Lehrer, „Hobbysänger" etc.) kann es bei Überbeanspruchung der Stimme, falscher Stimmlippenbelastung oder falscher Stimmtechnik zu einer Heiserkeit (Dysphonie) kommen. Man unterscheidet eine hypofunktionelle Dysphonie (Schonhaltung der Stimme) von einer hyperfunktionellen (starke Anspannung).